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Was ist Freizeit?

Im Themen-Monat von Culture your System dreht sich alles rund um die Arbeitszeit. Im Beitrag „Back to basics: Was ist Arbeitszeit“ haben wir uns mit den verschiedenen Komponenten der Arbeitszeit befasst, deren Gegenstück die Freizeit ist. Aber was ist Freizeit? (Spoiler – in diesem Beitrag wird´s auch privat)


Wie viel Freizeit ist erforderlich?

Tobias Weidemann hat sich in einem aktuellen Beitrag in der t3n mit dem Titel „Freizeit: Mit welcher Menge du am zufriedensten bist“ mit dieser Frage befasst. Der Beitrag zitiert eine Studie, nach deren Ergebnis Beschäftigte „die am Tag rund zweieinhalb Stunden für sich und ihre Lieblingsbeschäftigungen haben, am zufriedensten mit ihrem Leben sind“. Personen mit diesem Freizeitumfang seien weniger gestresst. Steigere sich der Umfang an freier Zeit, so sinke die Gesamtzufriedenheit.

Was ist freie Zeit?

Aber was ist freie Zeit eigentlich? Freie Zeit im Sinne der dargestellten Studie sind „alle Zeiträume, die die Person mit Nichtstun oder mit einer freien Wahl der Beschäftigung (etwa Lesen, Fernsehen, Hobbys, Treffen mit Familie oder Freunden) verbringen konnte“.

Puh. Wenn ich diese Aussage reflektiere und auf mich persönlich beziehe, kommen mir spontan zwei Gedanken: 

  1. Nichtstun sorgt bei mir selten zur Steigerung meiner Gesamtzufriedenheit. Nichtstun funktioniert bei mir nur, wenn ich schon einen Erschöpfungsgrad erreicht habe, der mich zum „Nichtstun“ zwingt um eine Erholungsphase zu erhalten. Das führt dann zur Regeneration. Aber mit einer Steigerung der Gesamtzufriedenheit hat das nichts zu tun. Die steigere ich, wenn ich etwas Tue und zwar für mich. 
  2. Was ist die „freie Wahl der Beschäftigung“? Ist mein Griff zum Handy und meine Zeit auf Twitter eine freie Wahl? Oder ist das vielmehr ein Automatismus. Ich laufe vier Mal die Woche nach einem Trainingsplan, weil ich mich wieder für einen Marathon anmelden möchte. Ist das die freie Wahl der Beschäftigung? Yoga tut mir gut – daher halte ich mich an meine Kurstermine (naja, ich versuche mich zumindest daran zu halten). Ist das die freie Wahl der Beschäftigung? Wenn ich mich in ein viel zu gutes Buch reingelesen und daher viel zu wenig Schlaf in der Nacht bekommen habe – ist das die freie Wahl der Beschäftigung? Die nächste Woche ist voll mit Terminen mit der Familie und mit Freunden (manchmal kommt alles zusammen) – ist das die freie Wahl der Beschäftigung? Oder bedeutet „freie Wahl der Beschäftigung“, dass ich zur Steigerung meiner Gesamtzufriedenheit jeden Tag zweieinhalb Stunden Zeit haben muss, in denen ich spontan entscheide, was ich nun tue?

Unter uns: letzteres würde mich stressen. Bei aller Flexibilität – ein gewisser Anteil an Routinen tut mir gut. Ich hatte vorgewarnt: Dieser Beitrag wird privat und stellt meine persönliche Empfindungen dar. Jeder Einzelne wird die in diesem Beitrag verknüpften Fragestellungen auf ganz eigene Weise für sich beantworten können.

Meine Entscheidung

In Abgrenzung zur Arbeitszeit ist freie Zeit die Zeit, in der Beschäftigte nicht dem Arbeitgeber zur Verfügung stehen. Diese Zeit ist für mich erforderlich um 1) Dinge zu tun, die ich erledigen muss und 2) Dinge zu tun, die mir selbst gut tun und die mir Kraft geben. Ganz im Sinne von New Work sollte natürlich auch die Arbeit etwas sein, was man „wirklich wirklich will“ und dem Einzelnen einen Sinn gibt. Gleichwohl bin ich der festen Überzeugung, dass auch – und gerade aufgrund der Entgrenzung der Arbeit – ganz aktive Freizeitphasen, in denen Arbeit keinen Raum hat, erforderlich sind.

Und ob ich Aufräumen, Wäsche waschen, Kochen, Hobbies nachgehen, Sport, Twitter, Friseurbesuche, Lesen, Shoppen, Familie und Freundezeit als „freie Zeit“ wahrnehme, die mein „Wohlbefinden“ positiv beeinflusst, kann ich persönlich nur daran festmachen, wie ich mit dieser Zeit umgehe und ob ich mit ihr bewusst umgehe. Was meine ich damit? Ich meine damit, dass ich mich regelmäßig prüfe: Was tut mir gut, was tut mir nicht gut? Wo brauche ich mehr? Treffe ich bewusste Entscheidungen?

Beispiele

Beispielsweise beim Marathontraining prüfe ich, ob ich mich übernehme, oder ob mir die Regelmäßigkeit, der Rhythmus des Trainings gerade gut tun. Es ist nicht immer einfach, das Training unter zu bekommen. Und vorm Loslaufen fühlt es sich manchmal nach allem möglichen, aber sicher nicht nach „freier Zeit“ an. Im Ergebnis komme ich aber (zumindest im Moment) zu dem Schluss: Es tut mir gut! Denn hätte ich das Ziel, den Rhythmus nicht, würde ich das Laufen schleifen lassen – das Laufen aber ist für mich der perfekte Ausgleich und damit geht es mir gut. Twitter-Zeit: Der automatische Griff zum Handy ist keine bewusste Entscheidung. Wenn ich aber die bewusste Entscheidung hierzu treffe, dann ist das „freie Zeit“. Das ist aus meiner Sicht wesentlich: Entscheidungen treffen und dann auf Basis der Entscheidung im Hier und Jetzt sein. Wenn ich beim Friseur bin, kann ich mit den Gedanken bei 5 anderen Themen sein oder aber ich nehme die Zeit für mich und genieße. Ich kann gestresst kochen um Essen auf den Tisch zu bringen, oder ich kann kochen um dabei runter zu kommen.

Was bedeutet das? Das bedeutet letztlich ein tägliches Jonglieren und bewusstes Entscheiden. Es ist ein Beobachten und In-sich-Hineinspüren. Es ist ein Erkennen und Zugeben, wenn ich nicht ehrlich zu mir war.

Wie geht´s weiter mit dem Themen-Monat #NewWorkTime?

Wie das Thema Arbeitszeit und die Frage, was wir als Arbeit empfinden und wie wir die Arbeitszeit gestalten wollen, sollten wir auch die Gestaltung unserer Freizeit einer ständigen Prüfung zu unterziehen. Und das nicht, um für irgendjemanden besser, schneller und leistungsfähiger zu werden, sondern um glücklich zu sein.

Tja. Und da sind wir schon beim wesentlichen Punkt: Das Thema „Freizeit“ hat man nicht in einem Beitrag abgehandelt. Genauso wenig ist Thema „Arbeitszeit“ in einem Monat abgehandelt. Der Themen-Monat von Culture your System rund um die Arbeitszeit ist zwar nun vorbei – das Thema Arbeitszeit aber noch lange nicht. Daher versichere ich: Hier auf dem Culture your System Blog wird sich auch künftig viel um das Thema Arbeitszeit drehen.

Danke

Die Diskussionen während des Themen-Monats rund um das Thema #NewWorkTime haben sich für mich wie Freizeit angefühlt: Vielen herzlichen Dank an alle, die beim Themen-Monat auf Facebook und ganz besonders auf Twitter mitdiskutiert, ihre Gedanken eingebracht und inspiriert haben! Ich werde das in einem größeren Beitrag zusammenführen und bin schon sehr auf das Feedback gespannt! Und wenn ich eins vorweg nehmen darf: Wie Arbeitszeit sinnvoll gestaltet wird und was wir als Arbeitszeit empfinden ist wohl so individuell, wie wir unsere Freizeit gestalten. Das bedeutet: Hier die richtige Balance zu finden, stellt den Einzelnen vor Herausforderungen und sollte vom Einzelnen regelmäßig geprüft werden. Es bedeutet auch, dass Unternehmen die Arbeitszeit ganz individuell gestalten können (und sollten) um die Bedürfnissen des Unternehmens wie die der Mitarbeiter bestmöglich zu vereinen und insgesamt zu einer Steigerung der „Gesamtzufriedenheit“ beizutragen.

Es ist nicht immer einfach

Übrigens: Dieser Beitrag sollte eigentlich pünktlich zum letzten Tag des Themen-Monats – einem Sonntag entstehen – weil die ganze Woche ordentlich vollgepackt war mit anderen, definitiv nicht-Freizeit-Themen. Und dann bin ich mit mir in einen inneren Dialog gegangen: Denn es war in Wahrheit dringend Zeit für echte Freizeit! Also habe ich am Sonntag die Arbeit Arbeit sein lassen und habe viel Yoga gemacht und entspannt. Und um das klar zu stellen: So einfach ist diese Entscheidung nicht immer. Sie fällt mal leichter, mal schwerer und bedarf regelmäßiger Reflektion.


Mehr zum Thema Arbeitszeit hier auf dem Culture your System Blog oder gerne auch persönlich: Ich freue mich auf Ihren Kontakt. Ich berate rund um das Thema Arbeitszeit und gestalte individuelle Workshop-Events.


Kathrin Hartmann

Rechtsanwältin / Culture your System


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